Katharina Molitor (8. November 1983 in Bedburg, Nordrhein-Westfalen) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Speerwerferinnen der jüngeren Leichtathletik-Geschichte. Ihren größten sportlichen Erfolg feierte sie 2015 mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften in Peking. Bemerkenswert ist ihre Karriere nicht nur wegen dieses Triumphs, sondern auch aufgrund ihres langen sportlichen Weges, der sie durch Höhen, Rückschläge und einen späten internationalen Durchbruch führte – parallel zu einer zweiten Laufbahn im Volleyball und einem Lehramtsstudium.
Frühe Jahre und vielseitige Ausbildung
Molitors sportliche Laufbahn begann im Kindesalter beim TV Bedburg, wo sie früh durch ihre Vielseitigkeit auffiel. Unter der Anleitung ihres Jugendtrainers Franz Inden erhielt sie eine breit angelegte Grundausbildung in Lauf-, Sprung- und Wurfdisziplinen. Bereits als Jugendliche erzielte sie im Ballwurf außergewöhnliche Weiten und führte später beim Leichtathletik-Club Jugend 07 Bergheim zahlreiche Vereinsbestenlisten an – teils sogar in der Frauenklasse.
Diese Vielseitigkeit prägte ihre Entwicklung nachhaltig. Neben dem Speerwurf gehörten Mehrkämpfe, Sprint- und Stoßdisziplinen zu ihrem Repertoire. 2001 gewann sie unter anderem den Titel der Deutschen A-Jugend-Meisterin.
Spezialisierung und internationale Etablierung
2003 wechselte Katharina Molitor zum TSV Bayer 04 Leverkusen und begann unter Trainer Helge Zöllkau die gezielte Spezialisierung auf den Speerwurf. Der internationale Durchbruch folgte schrittweise: 2005 gewann sie bei den U23-Europameisterschaften die Silbermedaille, 2007 und 2009 nahm sie an den Sommer-Universiaden teil.
Ein wichtiger Meilenstein war das Jahr 2008, als Molitor sich mit einer persönlichen Bestleistung von 61,74 Metern für die Olympischen Spiele in Peking qualifizierte. Zwar blieb sie dort hinter den Erwartungen zurück, etablierte sich jedoch endgültig in der erweiterten Weltspitze.
Nationale Titel und konstante Weltklasse
In den folgenden Jahren gehörte Molitor konstant zu den besten deutschen Speerwerferinnen. 2010 gewann sie erstmals die Deutschen Meisterschaften, nahm an Europameisterschaften und Weltmeisterschaften teil und steigerte ihre persönliche Bestleistung kontinuierlich auf über 64 Meter.
International verpasste sie mehrfach nur knapp Medaillenränge – etwa als Vierte bei den Weltmeisterschaften 2011 oder bei den Europameisterschaften 2012. Dennoch galt sie als feste Größe im deutschen Nationalteam, auch wenn sie lange im Schatten prominenter Konkurrentinnen wie Christina Obergföll stand.
Der WM-Triumph 2015 in Peking
Der Höhepunkt ihrer Karriere folgte vergleichsweise spät. Im Juli 2015 steigerte Katharina Molitor ihre Bestleistung beim Meeting in Luzern auf 66,40 Meter, wenig später bestätigte sie ihre Form mit dem zweiten nationalen Meistertitel.
Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking gelang ihr schließlich der große Coup: Mit dem weitesten Wurf des Jahres sicherte sie sich überraschend, aber verdient den Weltmeistertitel im Speerwurf. Es war ihr erster internationaler Titel – und zugleich eine der besten Leistungen ihrer gesamten Generation. Bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ belegte sie Rang zwei.
Kontroverse um Olympia 2016 und sportlicher Abbau
Trotz weiterhin konkurrenzfähiger Leistungen wurde Molitor 2016 nicht für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro nominiert. Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes führte zu öffentlicher Kritik und einem juristischen Verfahren, das Molitor letztlich verlor. Die Episode markierte einen Wendepunkt in ihrer Karriere.
In den folgenden Jahren blieb sie national erfolgreich, gewann 2017 ihren dritten deutschen Meistertitel, konnte international jedoch nicht mehr an die Konstanz von 2015 anknüpfen. Nach mehreren Saisons mit technischen Problemen und stagnierenden Weiten kündigte sie 2018 ihr Karriereende im Speerwurf an.
Parallelkarriere im Volleyball
Parallel zur Leichtathletik betrieb Katharina Molitor über viele Jahre Leistungsvolleyball. Sie spielte unter anderem für Bayer 04 Leverkusen in der Bundesliga und der 2. Bundesliga, meist als Mittelblockerin. Nach dem Ende ihrer Leichtathletik-Karriere blieb sie dem Volleyball noch bis 2020 erhalten – bewusst ohne professionelle Ambitionen, sondern als Ausgleich zum Einzelsport.
Ausbildung und Leben nach dem Leistungssport
Neben dem Sport absolvierte Molitor ein Lehramtsstudium mit den Fächern Sport, Geographie und Sozialwissenschaften. Die Doppelbelastung aus Studium und Hochleistungssport prägte viele Jahre ihrer Laufbahn und beeinflusste auch sportliche Entscheidungen. Nach dem Karriereende widmete sie sich verstärkt ihrer beruflichen Zukunft außerhalb des Spitzensports.
Bedeutung und Einordnung
Katharina Molitor steht exemplarisch für eine Generation von Athletinnen, deren Karrieren nicht gradlinig verlaufen. Ihr Weltmeistertitel 2015 war das Ergebnis jahrelanger Beharrlichkeit, kontinuierlicher Entwicklung und mentaler Stärke. Auch über den Sport hinaus äußerte sie sich kritisch zu Themen wie Sportförderung und Dopingkontrollen – und blieb damit eine reflektierte Stimme im deutschen Leistungssport.
Bild: Alexander Siebelt / CC BY-SA 3.0
