Montag, 24.08.2026

Über 400 historische Akten der Schwesternschaft Oranien jetzt digital verfügbar

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Das Stadtarchiv Wiesbaden hat einen umfangreichen Bestand der Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien aufgenommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mehr als 400 Archivalien, die bis in das Jahr 1891 zurückreichen, sind nun im Lesesaal des Stadtarchivs einsehbar und digital über das Archivinformationssystem Arcinsys Hessen recherchierbar.

Umfang und Inhalte des Bestandes

Der Bestand mit dem Kürzel V 105 umfasst unter anderem Patienten- und Krankenjournale aus den Jahren 1892 bis 1959, Operationsbücher seit 1920, Hebammen-Tagebücher ab 1910 sowie Geburtenbücher der Klinik seit 1984. Die Unterlagen dokumentieren Abläufe in Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen, Ausbildungsakte und organisatorische Entscheidungen der Schwesternschaft.

Historischer Kontext der Schwesternschaft

Die Wiesbadener Schwesternschaft geht auf den 1885 gegründeten Wiesbadener Verein vom Roten Kreuz zurück, der die Ausbildung und Verwendung von Krankenpflegerinnen zum Ziel hatte. Kurz nach der Gründung forderte eine Typhus-Epidemie die Helferinnen stark. 1892 eröffnete das Rotkreuz-Krankenhaus an der Schönen Aussicht mit 42 Betten und einer Krankenpflegeschule. In den folgenden Jahrzehnten kamen eine Gebäranstalt, ein Schwesternwohnheim und das Mutterhaus hinzu.

Im Juni 1935 wurde der Verein in Deutsches Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien e.V. umbenannt. Mit dem Reichsgesetz zum Deutschen Roten Kreuz von Dezember 1937 verloren viele lokale Organisationen ihre Autonomie und wurden zentralen Stellen unterstellt. Im Zweiten Weltkrieg waren mehr als 200 Schwestern und 400 Hilfsschwestern aus Wiesbaden in mobilen Einheiten, im Sanitätsdienst der Wehrmacht und in Reservelazaretten tätig. Aus dieser Zeit finden sich im Bestand unter anderem Marschbefehle an die Wiesbadener Schwestern.

Die Schwesternschaft wurde im Dezember 1947 neu gegründet. In den 1950er Jahren wurde das Rotkreuz-Krankenhaus modernisiert und erweitert. Bis zur Schließung der Klinik im Jahr 2005 waren dort Chirurgen, Internisten, Gynäkologen, Hebammen und Pflegepersonal im Dienst der Schwesternschaft tätig. Seitdem konzentriert sich die Organisation auf Altenpflege und betreibt unter anderem Wohngemeinschaften für demenziell erkrankte Menschen und eine Pflegeschule zur eigenen Nachwuchsausbildung.

Erschließung, Lagerung und Zugangsregelungen

Die historischen Unterlagen waren längere Zeit im Keller des Hauses der Altenpflege an der Schönen Aussicht 41 gelagert. Auf Initiative der Vorsitzenden wurden sie im Frühjahr dieses Jahres an das Stadtarchiv übergeben. Dort wurden die Akten konservatorisch behandelt, neu verpackt, in einer Datenbank erfasst und in einem klimatisierten Magazin eingelagert.

Die recherchierbaren Bestandsangaben sind über Arcinsys Hessen abrufbar. Physische Einsichtnahme ist im Lesesaal des Stadtarchivs möglich, sofern Schutzfristen und datenschutzrechtliche Regelungen beachtet werden.

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