In Kostheim ist der erste Spatenstich für ein neues Wohnquartier gesetzt worden. Die Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW beginnt den Bau von 222 Mietwohnungen, die in drei Abschnitten bis Ende 2028 entstehen sollen. Zu den Gästen der Veranstaltung gehörten Vertreter der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik.
Projektstruktur und Wohnangebot
Geplant sind acht Mehrfamilienhäuser mit einer Gesamtwohnfläche von rund 18 529 Quadratmetern. Der erste Bauabschnitt liegt zur Bahnlinie hin und schließt das Quartier im Süden ab. Dort werden 74 Wohnungen in drei Häusern errichtet sowie zwei Clusterwohnungen mit jeweils sechs Appartements für gemeinschaftliches Wohnen. Für diesen Abschnitt zeichnet das Büro ROSA WIRTZ ARCHITEKTUR PARTG MBB verantwortlich.
Der zweite Bauabschnitt orientiert sich zur Kostheimer Landstraße. Hier entstehen 115 Wohnungen in drei Gebäuden. Außerdem sind eine Gewerbeeinheit zur Straße, ein Coworking Büro und eine neue GWW Außenstelle für die Bezirke Amöneburg, Kastel und Kostheim vorgesehen. Das Planungsteam für diesen Abschnitt ist ENDERSWEISSBANGERT Architekten und Stadtplaner Partnerschaft mbB BDA.
Im dritten Bauabschnitt sind 33 Wohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern vorgesehen, darunter Maisonettewohnungen. Der Kopfbau in der Quartiersmitte beinhaltet eine zweigeschossige Kindertagesstätte mit vier Gruppen. Der davor liegende Quartiersplatz soll mit einem Wasserspiel und Sitzbereichen ausgestattet werden. Für diese Gestaltung ist das Büro KISSLER EFFGEN und PARTNER Architekten PartG mbB zuständig.
Energieversorgung und ökologische Maßnahmen
Ein zentrales Element des Energiekonzepts ist ein kaltes Nahwärmenetz, das von ESWE Versorgungs AG gebaut wird. Dafür sind 120 Erdwärmesonden mit Tiefen von bis zu 110 Metern vorgesehen. Umweltwärme aus dem Erdreich wird über ein Verteilnetz zu den Gebäuden gebracht. Dezentrale Wärmepumpen heben die Temperatur auf das benötigte Niveau. Im Sommer kann überschüssige Wärme aus den Gebäuden ins Netz zurückgespeist und im Erdreich gespeichert werden. Nach Auffassung von Ralf Cohrs, Prokurist der ESWE Versorgungs AG, verbindet dieses System Klimaschutz, Versorgungssicherheit und hohen Komfort.
Auf den Flachdächern sind großflächige Photovoltaikanlagen geplant, um Mieterstrom anzubieten. Alle Gebäude erhalten intensive Dachbegrünungen, die als Retentionsdächer zur Regenrückhaltung dienen. Regenwasser wird über Mulden und Rigolen auf dem Grundstück versickert, sodass Pflanzen versorgt werden und die öffentliche Kanalisation bei Starkregen weniger belastet wird.
Verkehr und Mobilitätsangebote
Das Quartier ist als autofrei geplant. Alle Stellplätze werden in einer Hochgarage am Quartierseingang konzentriert. Auf der öffentlich zugänglichen Parkfläche sind Ladestationen für Elektrofahrzeuge vorgesehen. Zur Förderung alternativer Mobilität sind Carsharing Angebote, Lastenräder mit Elektroantrieb und Leihfahrräder vorgesehen, um die Anbindung an den Verkehr ohne eigenen Pkw zu erleichtern.
Soziale Ausstattung und Bürgerhaus
Mindestens 30 Prozent der Wohnungen werden gefördert. Konkret sind 67 Wohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum finanziell gefördert, die Förderquote beträgt 30,2 Prozent.
Begleitend zum Wohnungsbau entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft ein neues Bürgerhaus für Kastel und Kostheim, geplant vom Hochbauamt der Stadt. Das Gebäude soll flexible Veranstaltungs- und Seminarräume bieten. Herzstück wird ein rund 765 Quadratmeter großer Veranstaltungssaal im Erdgeschoss, in dem Veranstaltungen für bis zu 800 Personen möglich sein sollen. Weitere Räume sind für Vereinsarbeit, einen Mehrgenerationentreff und einen grünen Freiraum vorgesehen. Andreas Rettig, Leiter des Hochbauamtes, betonte die Verwendung ökologisch zertifizierter Baustoffe und Leitlinien für nachhaltiges Bauen, um eine angenehme und zukunftsorientierte Atmosphäre zu schaffen.
Stadtvertreter und Projektverantwortliche hoben bei der Vorstellung hervor, dass durch das Zusammenspiel von sozialer Durchmischung, Energieeffizienz und integrierter Infrastruktur ein dauerhaft nutzbares und lebenswertes Quartier entstehen soll. Die GWW verwies zudem auf das Angebot von Mieterstrom und die erwartete Steigerung der Wohnqualität durch das autofreie Konzept.
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